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Ich bin mittlerweile nur noch im zweiten Modus unterwegs und entdecke auf diese Art und Weise immer wieder ein Stück mehr von mir selbst. Ich stelle fest, welche Erlebnisse zu welchen Gedanken und Reaktionen führen und registriere, was mir gut tut und was nicht. Ein ständiges Spiel von Versuch und Irrtum - wie in der Kleinkind-Lern-Phase.
Momentan übe ich mich auf diese Art und Weise mal wieder im Aus-Balancieren von Verantwortungsbewusstsein und Selbstfürsorge im Job. Da will ich einerseits gut auf mich aufpassen, dass ich nicht über meine Grenzen gehe und nicht nach jeder Arbeitsphase nur noch die Couch suche - und andererseits verlassen sich Kollegen und Kunden/Patienten/Klienten darauf, dass ich den Teil zum Ganzen beitrage, der im System gebraucht wird; dass mein Rädchen sauber läuft im Getriebe und so das Ganze rund läuft.
Vermutlich geht es nicht nur mir so.
Natürlich gibt es immer und überall auch Fehler im Getriebe, im System. Die Radgrößen passen vielleicht nicht zusammen, das Getriebe hat Sand abbekommen, Schmieröl fehlt oder ein Zahnrad hat völlig abgenutzte Zähnchen ...
Im Bild klingt die Lösung einfach: Zahnrad nachschärfen, Schmiermittel ergänzen, alles mal putzen ... Aber wenn man selbst eins der Rädchen ist?
Der Teilzeit-Aushilfsjob, den ich seit November ausübe, dauert nun schon deutlich länger als anfänglich vermutet und so wird es immer wichtiger, dass ich auf meine Balance achte. Für einen kurzen Zeitraum ist das Überschreiten von Selbstfürsorge-Grenzen durchaus ok - aber nach meinen Urlaubstagen werde ich neu balancieren. Ein bisschen mehr Nein sagen und aushalten, dass Lücken entstehen. Denn die ganze Welt kann ich ohnehin nicht retten.
Vielleicht erkennst Du Dich ein Stückchen darin wieder? Ganz sicher bin ich nicht die Einzige, die täglich solche Balance-Übungen macht. Manchmal sieht das aus wie wildes Rudern mit den Armen. Und dann fühlt es sich an, als würde ich mit den Flügeln schlagen um Fliegen zu lernen.
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