"Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht!"
Du kennst den Satz.
Der Grund für das weit verbreitete Rat-Schläger-Verhalten ist ganz einfach: wir halten nicht aus, dass es unserem Gegenüber, einem Menschen, den wir vielleicht sogar sehr mögen, nicht gut geht. Dass er besorgt, traurig, verängstigt, unsicher ist.
Wir möchten die Situation verbessern, damit der andere - und auch wir selbst! - uns besser fühlen. Das gelingt jedoch nicht mit "mach doch mal ...!" oder "hast du schon ... probiert?"
Definitiv also gut gemeint - aber eben nicht gut gemacht.
Bessere Chancen hat da vermutlich eine wohlwollende Haltung.
Wohlwollen für mich selbst kann heißen:
- ich darf Rat-Schläge direkt ablehnen
- bei aller Fürsorge für andere Menschen ist es wichtig, meine Belastungsgrenze im Auge zu behalten
Wohlwollen für mein Gegenüber kann bedeuten:
- es ist gut, zu erspüren, ob jemand tatsächlich einen Rat möchte, eine Empfehlung, eine neue Idee. Oder ob er (oder sie) Zustimmung braucht, Zuwendung, stilles Mit-Aushalten
- der schmale Grat zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit kann jeden Tag an einer anderen Stelle verlaufen
Ich weiß, wie schwer das alles fällt, ich erlebe es gerade täglich.
Was ich dabei gerade schmerzhaft neu lerne, ist, dass wir nie wissen, wie lange eine Belastung anhalten wird. Im Training für einen Wettkampf oder zu Beginn eines Arbeitstages kennen wir die Dauer und können unsere Kräfte einteilen. Wir können bis an die Grenze gehen, bis zur Erschöpfung, weil danach ja eine Pause fest eingeplant ist.
Für Ausnahmesituationen gibt es keinen solchen Plan. Niemand weiß, wie lange wir Extra-Kraft brauchen werden. Dadurch passiert es, dass wir zu lange durchhalten, so lange, dass es uns nicht mehr gelingt, wieder aufzutanken. Eine fatale Endlos-Schleife.
Ich versuche gerade, diese zu unterbrechen und mir selbst Wohlwollen zu gewähren durch Pausen - manchmal noch mit einem kleinen schlechten Gewissen im Herz, denn dafür gibt es keinen Ausschalter.
Und das Umfeld ... reagiert ab und zu mit Unverständnis.
Denn plötzlich stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Plötzlich muss ich Termine absagen, bin nicht mehr voll konzentriert in Gesprächen, melde mich nicht bei Freunden wie üblich, habe kein Interesse an Austausch.
Und auch da braucht es Wohlwollen, zum Beispiel gegenüber meinem geänderten Verhalten. Vom Besten ausgehen, nicht vorab be- oder ver-urteilen und vor allem keine Rat-Schläge verteilen.
Ich zitiere nochmal das Motto 2026:
"Wohlwollend begegne ich anderen und mir selbst
und stifte damit Frieden und Zufriedenheit"